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Die Betriebssysteme der mobilen Geräte

Wenn es um Smartphones geht, ist das Betriebssystem eines der wichtigsten Entscheidungskriterien für einen Kauf, wenn nicht sogar das wichtigste. Das liegt ganz einfach daran, dass über das Betriebssystem die Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten festgelegt werden, die das Gerät einem Nutzer bietet. Die beiden dominierenden Anbieter Apple und Google verfolgen hinsichtlich ihrer konkurrierenden Systeme iOS und Android zwei völlig konträre Strategien. Während iOS ausschließlich auf iPhones (und iPads sowie iPods) läuft, erlaubt Google jedem Hersteller die Nutzung von Android, da es sich um freie und quelloffene Software handelt. Dominierte zu Beginn der Ära Smartphone Apples iOS den Markt, zog Google aufgrund der Entscheidung für Open Source hinsichtlich des Marktanteils schnell an mobilen Betriebssystemen am Konkurrenten vorbei.

Heute nutzen etwa 85 Prozent aller Smartphones weltweit Android, iOS kommt auf einen Marktanteil von etwa 11 Prozent.

Apple

Samsung S7
Samsung S7

Die restriktive Haltung Apples hat ihren Ursprung darin, dass der Konzern schon seit langer Zeit gern größtmögliche Kontrolle über Design und Funktionsweise seiner Produkte behält. Hardware und Software sollen fein aufeinander abgestimmt sein. Das funktioniert jedoch nur, wenn die Softwareingenieure und Entwickler klare Informationen über die technischen Spezifikationen der im Handel erhältlichen Smartphones haben. Mehr noch als die konzerneigenen Entwickler betrifft das unabhängige Programmierer von Apps. Weil diese nicht wie bei Android eine Vielzahl unterschiedlicher Geräte im Hinterkopf haben müssen, können sie Anwendungen für iOS präziser und mit weniger Kompromissen erstellen. Hinzu kommt, dass Apple regelmäßig Updates für iOS ausrollt, die von den meisten Nutzern installiert werden, während die Updates von Android von den Herstellern der Smartphones bereitgestellt werden müssen – oder vielmehr müssten, denn verpflichtet sind sie dazu nicht, und viele machen es folglich auch nicht. Das führte dazu, dass inzwischen eine verwirrende Vielfalt unterschiedlicher Versionen von Android genutzt wird, was die Entwicklung neuer Apps sowie Updates bestehender Apps weiter verkompliziert.

Apples restriktive Haltung kommt indes nicht bloß Entwicklern zugute. Auch die Nutzer profitieren durch besser funktionierende Apps. Diese sind indes nicht der einzige Vorteil einer derart stringenten Strategie. Cyberkriminelle versuchen beständig, Sicherheitslücken in mobilen Betriebssystemen zu finden – und haben regelmäßig Erfolg damit. Deshalb ist es wichtig, das System auf dem aktuellen Stand zu halten und regelmäßig die neuesten Sicherheitsupdates zu installieren. So es denn welche gibt. Bei Apple ist das wie gesagt regelmäßig der Fall und es kann unkompliziert von jedem Gerät mit wenigen Klicks heruntergeladen werden. Außerdem prüft Apple jede App vor der Veröffentlichung im App Store auf Herz und Nieren. Was Entwickler schon mal an den Rand der Verzweiflung bringen kann, bewahrt Nutzer vor fehlerhaften und riskanten Anwendungen genauso wie vor gezielt programmierter Schadsoftware (auch Malware genannt). Bislang ist beispielsweise für iPhones kein Virenscanner erforderlich, während ein Smartphone mit Android einen solchen unbedingt installiert haben sollte. Trotz seiner rigiden Prüfungen können sich Nutzer von iOS nicht über einen Mangel an verfügbaren Apps beschweren. Über 1,2 Millionen verschiedene Anwendungen stehen zum Download zur Verfügung. Erkauft werden all diese Vorteile allerdings durch eingeschränkte Einstellungsmöglichkeiten seitens der Nutzer. So lässt sich das Layout der Benutzeroberfläche in iOS nahezu nicht verändern. Lediglich das Hintergrundbild kann geändert und Apps verschoben oder in Gruppen zusammengefasst werden. Der Rest ist faktisch von Apple festgelegt.

Android

Anders bei Android. Hier haben Nutzer deutlich mehr Möglichkeiten, die Benutzeroberfläche individuell an ihre Wünsche und Bedürfnisse anzupassen. Zudem verpassen nicht wenige Hersteller dem Betriebssystem einen eigenen Anstrich, um ihre Variante von Android von der Konkurrenz abzuheben. Weil es sich um freie und quelloffene Software handelt, ist das ohne weiteres möglich. Nach exponentiell gestiegenem Marktanteil in den letzten Jahren stellt sich die Frage, wie es inzwischen um die Auswahl an Apps für Android bestellt ist. Die Antwort darauf lautet: großartig. Es stehen nunmehr beinahe 1,5 Millionen Apps aus den unterschiedlichsten Bereichen zur Auswahl und diese Zahl wächst täglich. Damit hat Googles Play Store den App Store von Apple hinter sich gelassen. In der Vergangenheit wurden Anwendungen vor der Veröffentlichung nicht von Google geprüft, wodurch es zu einem rasanten Wachstum verfügbarer Apps kam. Dies ging jedoch mit Sicherheitsproblemen für die Nutzer einher. Aufgrund der fehlenden Überprüfung waren Cyberkriminelle in der Lage, Schadsoftware im Google Play Store bereitzustellen. Außerdem wurden fehlerhafte Apps weniger erfahrener und/oder sorgfältiger Entwickler nicht rausgefiltert wie bei Apple. Inzwischen prüft Google zwar ebenfalls jede Anwendung vor der Veröffentlichung, doch bleibt Android für Nutzer grundsätzlich unsicherer als iOS, weswegen – wie bereits weiter oben erwähnt – ein Virenscanner unbedingt anzuraten ist. Hinzu kommt, dass Android anders als beispielsweise Apples iOS standardmäßig die Möglichkeit bietet, ungeprüfte Apps von Drittanbietern abseits des offiziellen App Stores zu installieren. Dafür ist lediglich die Zustimmung des Nutzers erforderlich. In iOS ist eine solche Installation nur nach einem sogenannten Jailbreak möglich, der die virtuelle Umzäunung von Apples digitalem Ökosystem aufbricht. Doch selbst unter den von Google vor der Veröffentlichung im Google Play Store geprüften Apps fanden und finden sich immer wieder welche mit Schadsoftware. Eine gewisse Sicherheit gegen solche Programme bietet Androids standardmäßiges Sandboxing. Die Apps laufen getrennt in einer virtuellen Maschine und angeforderte Berechtigungen einer Anwendung müssen einzeln vom Nutzer bestätigt werden.

Abgesehen von den besprochenen Sicherheitsproblemen ist die zweite große Schwachstelle von Android wie bereits angedeutet die Verfügbarkeit von Updates. Für Apples iOS werden regelmäßig zentrale Updates angeboten, die mit wenigen Klicks vom Nutzer oder vollständig automatisch durchgeführt werden können. Anders bei Smartphones mit Android. Diese werden häufig mit einer älteren Version des Betriebssystems ausgeliefert. Da es meist zwischen Kunden und Herstellern keine Supportverträge gibt, besteht für diese keinerlei Verpflichtung, Updates zur Verfügung zu stellen. Er ist lediglich verpflichtet, ein Gerät zu verkaufen, das im Auslieferungszustand einwandfrei funktioniert. Daraus resultiert eine inzwischen vor allem für den normalen Nutzer unüberschaubare Vielfalt an verschiedenen Versionen von Android. Weil Apps durchaus versionsabhängig sein können, bedeutet das, nicht jeder Nutzer kann jede angebotene Anwendung in vollem Umfang und problemfrei einsetzen. Vor dem Kauf sollte man sich daher genau mit der Politik bezüglich Updates der infrage kommenden Hersteller auseinandersetzen. Der Wechsel vom Smartphone eines Herstellers zu dem eines anderen kann zudem mit Problemen verbunden sein, wenn darauf unterschiedliche Versionen von Android laufen und dadurch nicht alle der bisherigen Apps weitergenutzt werden können.

Microsoft

Altes Smartphone von Samsung.
Altes Smartphone von Samsung.

Bislang war bloß von Apple und Google die Rede.

Microsoft wurde nicht erwähnt. Das liegt daran, dass der bisher marktbeherrschende Hersteller von Betriebssystemen die Ära mobiler Telefonie lange verschlafen hat und heute mit Windows Phone trotz massiver Anstrengungen lediglich eine Außenseiterrolle spielt. Zwar bieten diverse Hersteller neben einer Version mit Android auch Geräte mit Windows Phone an, doch konnten diese bisher lediglich einen Marktanteil von nicht ganz 3 Prozent erobern. Bezüglich der Ausrichtung ist Microsofts Windows Phone mit Apples iOS vergleichbar. Es handelt sich ebenfalls um ein geschlossenes System, dessen Entwicklung zentral von Microsoft gesteuert wird. Das hat den bereits oben erwähnten Vorteil, dass relevante Updates zeitnah und für alle Geräte zur Verfügung stehen. Allerdings erlaubt es eben keine von Microsoft unabhängige Anpassung durch Dritte. Durch die geringe Verbreitung von Windows Phone sind deutlich weniger Apps entwickelt worden als für die beiden größeren Konkurrenten. So stehen nunmehr bloß über 200.000 Apps im Windows Phone Store zur Verfügung. Seit April heißt das Betriebssystem nicht mehr Windows Phone plus Versionsnummer, sondern Windows 10 Mobile. Es erscheint allerdings unwahrscheinlich, dass Microsoft damit zu Apple und Google aufschließen kann.

Hinweis: Microsoft hat leider aufgegeben. :o(

Andere Betriebssystem

Neben den drei näher vorgestellten Betriebssystemen für Smartphones kämpfen noch andere, weniger bekannte in Nischen und teilweise mit eigenen Geräten um die Gunst der Käufer. So gibt es beispielsweise mit Ubuntu Touch eine eigens für Mobilgeräte angepasste Version der beliebten Linuxvariante Ubuntu. Seit Herbst 2014 versucht daneben die Mozilla Foundation mit Firefox OS, ihren Erfolg im Browsermarkt nun im Bereich mobiler Betriebssysteme zu wiederholen. Beide setzen wie Google auf freie und quelloffene Software. Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass sowohl Ubuntu Touch als auch Firefox OS über ein Nischendasein hinauskommen. Dafür sind iOS und insbesondere Android längst zu verbreitet. Über Sicherheit und verfügbare Apps für diese beiden Betriebssysteme lassen sich keine klaren Aussagen machen. Dafür sind sie zu neu auf dem Markt und zu wenig verbreitet.

Letztes Wort

Wer sich heute ein Smartphone zulegen möchte, steht im Grunde vor der Wahl zwischen einem Gerät mit iOS oder einem mit Android. Es sei denn, er oder sie möchte das Risiko einer ungewissen Zukunft mit Windows 10 Mobile eingehen. Apple hat derzeit klar die höhere Sicherheit durch intensiv geprüfte Apps und regelmäßige Updates auf seiner Seite, erlaubt im Gegenzug jedoch deutlich weniger individuelle Anpassungen der Benutzeroberfläche und die Installation nur geprüfter Anwendungen aus dem App Store. Zudem ist eine reibungslose Kommunikation nur zwischen anderen mit iOS arbeitenden Geräten möglich. Android bietet mehr Flexibilität sowohl bei der Benutzeroberfläche als auch bei der Installation von Apps. Bezahlt wird beides mit einem größeren Risiko für Sicherheitslücken und Schadsoftware sowie extrem herstellerabhängigen Schwankungen von relevanten Updates. Auf der Seite der Hardware ist die Auswahl an verschiedenen Modellen logischerweise für Android deutlich größer. Durch unterschiedliche Versionen des Betriebssystems sind Smartphones unterschiedlicher Hersteller (oder auch desselben Herstellers) jedoch nicht unbedingt hundertprozentig kommunikationsfähig. Unterm Strich ist es die Entscheidung zwischen mehr Freiheit und damit einhergehend mehr Unsicherheit(en) oder einem Mehr an Sicherheit, Einschränkung(en) und Vertrauen in Apple.