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Das moderne Smartphone

Smartphones sind aus dem Alltag längst nicht mehr wegzudenken. Für viele Menschen sind sie die zentrale Kommunikationsschnittstelle im Leben geworden. Dabei war dieser weltumspannende und tatsächlich realitätsverändernde Einfluss nicht vorherzusehen, als Apple im Jahre 2007 das erste iPhone vorstellte. Schließlich war Nokia in den 1990er Jahren mit seinem Communicator weitestgehend gescheitert. Nur wenige wollten das klobige Gerät benutzen, obschon es seiner Zeit insgesamt voraus war. Apple scheint mit dem ersten iPhone dagegen genug richtig gemacht zu haben, folgte seit dessen Markteinführung doch ein regelrechter Tsunami an Smartphones. Anfangs belächelt und skeptisch von der Konkurrenz beäugt, setzte das iPhone quasi von heute auf morgen einen neuen Standard im Bereich mobiler Kommunikation. Der Kern des Erfolgs besteht jedoch in der Erweiterungsfähigkeit durch sogenannte Apps, mehr oder minder umfangreiche Einzelanwendungen, die aus einem speziellen Store heruntergeladen und auf dem Smartphone installiert werden können. Bis Apple den App Store im Jahre 2008 einführte, war das iPhone zwar ein revolutionäres Gerät, aber in letzter Konsequenz doch bloß eine Mischung aus Mobiltelefon und iPod mit integrierter Kamera. Möglicherweise hätte diese Konfiguration für ein erfolgreiches Produkt gereicht. Dass es einen vergleichbar großen sozialen, technischen und kulturellen Einfluss gehabt hätte, wie es letztlich mit App Store der Fall war, darf indes bezweifelt werden.

Erst durch Apps wird ein Smartphone wirklich smart

Smartphone der Marke Samsung.
Smartphone der Marke Samsung.
Jeder Nutzer kann sein Gerät individuell mit genau an seinen Bedürfnissen ausgerichteter Software nachrüsten und es auf diese Weise zu einem intelligenten Hub für die Erfordernisse des täglichen Lebens machen. Heute gibt es Myriaden mehr Anwendungen im App Store als zu dessen Einführung. Und inzwischen ist Apple längst nicht mehr allein. Vom Erfolg des ersten iPhones elektrisiert, machten sich andere Unternehmen unverzüglich daran, Apple das Feld dieses neu geschaffenen Marktes nicht allein zu überlassen. Google veröffentlichte das freie Betriebssystem Android im Jahre 2008 und HTC veröffentlichte im selben Jahr sein erstes Smartphone unter der Bezeichnung T-Mobile G1 in den USA.

Danach ging es Schlag auf Schlag

Andere Elektronikunternehmen wie Samsung, Motorola, LG und Sony (um nur einige zu nennen) folgten und in den darauffolgenden Jahren kam es zum exponentiellen Wachstum an verschiedenen Modellen. Heute gibt es eine unüberschaubare Fülle unterschiedlicher Geräte und jedes Jahr etliche Vorstellungen neuer Geräte. In Googles Play Store stehen nunmehr über 1,4 Millionen Apps zum Download zur Verfügung und die Technik der Smartphones wird immer ausgefeilter, mit noch mehr Sensoren, besseren Displays (einzelne Hersteller arbeiten bereits an 4K-Smartphones), besseren Kameras, besseren Prozessoren und immer ausgefalleneren Designs (so gibt es beispielsweise inzwischen leicht gebogene Smartphones für eine bessere Anpassung an das menschliche Gesicht). Wer sich heute ein (neues) Smartphone kaufen möchte, steht vor der sprichwörtlichen Qual der Wahl. Die Entscheidung für oder gegen ein Modell ist alles andere als leicht. Viele technische Merkmale wollen bedacht werden und daneben natürlich der Preis. Längst gibt es Smartphones für hundert Euro (ohne Vertrag) und die Spanne reicht bis in den hohen dreistelligen Bereich für High-End-Geräte. Nicht umsonst gibt es im Internet bereits unzählige Vergleichsportale und Testberichte für Smartphones. Ohne diese Hilfe ist ein informierter Kauf für einen Interessenten vollkommen unmöglich geworden. In diesem Artikel kann es daher nicht um einzelne Modelle und ihre individuellen technischen Merkmale gehen. Das würde den Rahmen um ein Vielfaches sprengen. Vielmehr sollen einige wichtige Punkte auf einer allgemeinen Ebene besprochen werden, um im Anschluss die Aufmerksamkeit im Auswahlprozess gezielt auf die relevantesten Aspekte richten zu können.

Der Preis ist oft das wichtigste Kriterium

Das wohl wichtigste Kriterium für die meisten Personen dürfte der Preis eines Smartphones sein. Dessen Relevanz hängt in erster Linie davon ab, ob ein Gerät ohne oder mit Vertrag erworben werden soll bzw. kann. Ohne Mobilfunkvertrag muss der Käufer in der Regel den Gesamtpreis auf einen Schlag bezahlen (spezielle Ratenzahlvereinbarungen durch Elektronikhändler wie Media Markt oder Saturn mal beiseitegelassen). Für ein Gerät der Oberklasse werden üblicherweise ab 700 Euro fällig, Mittelklassegeräte sind mit einem gewissen Schwankungsbereich um 500 Euro herum zu haben. Wer also ein Smartphone ohne Vertrag erwerben will, sollte zunächst das maximal verfügbare Budget definieren. Abhängig davon ergibt sich die Geräteklasse.

Anders sieht die Sache beim Abschluss eines Neuvertrags oder der Vertragsverlängerung mit einem Mobilfunkprovider aus. Nahezu jedes Unternehmen dieser Branche bietet Kunden die Möglichkeit, beim Abschluss eines neuen oder der Verlängerung eines bestehenden Mobilfunkvertrags ein Smartphone zu einem etwas vergünstigten Einmalpreis und anschließender Ratenzahlung zu erhalten. Dadurch können sich auch Kunden ein Smartphone der Oberklasse leisten, die den Verkaufspreis ohne Vertrag nicht aufbringen könnten. Die Hersteller freut das natürlich, denn ihnen ist daran gelegen, im hart umkämpften Markt der mobilen Telefonie mit zunehmend geringer werdenden Margen (Apple ausgenommen) möglichst viele hochpreisige Smartphones zu verkaufen. Insofern gehen sie gern Kooperationen mit Mobilfunkanbietern ein und bieten auch immer die neusten Modelle im Kontext eines Neuvertrags oder einer Vertragsverlängerung an.

Das richtige Betriebssystem finden

Ist die Preisfrage geklärt, stehen in der Regel immer noch mehrere Dutzend Modelle zur Auswahl. Nun geht es im Grunde genommen darum, sich für ein Betriebssystem zu entscheiden. Warum nicht direkt für (andere) technische Details wie Prozessor, Grafik, Display, Speicher, Kamera etc.? Erstens, weil es jenseits von Apple in jeder Geräteklasse diverse Konfigurationen gibt. Zweitens – und dieser ist weitaus bedeutender als der erste Punkt – ist es das Betriebssystem, welches festlegt, wie ein Smartphone funktioniert. Die besten Hardwarekomponenten nützen wenig, wenn sie nicht durch ein Betriebssystem auf einer funktionalen Ebene zusammengeführt werden. Von den verschiedenen mobilen Betriebssystemen spielen derzeit nur zwei tatsächlich eine Rolle – nämlich Apples iOS sowie Googles Android. Der Unterschied besteht darin – und daraus wird ersichtlich, dass man sich mit der Wahl eines Betriebssystems auf einer höheren Ebene bereits ebenso hinsichtlich der Hardware in gewissem Rahmen festlegt –, dass Googles Betriebssystem Android freie Software ist und mithin von jedem Hersteller genutzt werden kann, während Apples iOS ausschließlich auf iPhones und anderen mobilen Geräten von Apple wie iPads und iPods läuft. Apples Strategie ist die enge Verzahnung von Software und Hardware, gewissermaßen also eine virtuelle Mauer um das eigene Territorium, während Google zumindest bezüglich Android auf Offenheit und Kooperation setzt. Diese unterschiedlichen Strategien führten zu zwei entscheidenden Entwicklungen: Android konnte erstens aufgrund der Verwendung durch zahlreiche Hersteller seinen Marktanteil an mobilen Betriebssystemen bis heute auf etwa 85 Prozent weltweit steigern. Zweitens ist die Anzahl unterschiedlicher Smartphones mit Android um ein Vielfaches größer als die verfügbaren Varianten von Apples iPhone.

Handys und Smartphones kann man repariere.
Handys und Smartphones kann man repariere.

Nun könnte man schnell dem Gedanken verfallen, dass eine höhere Vielfalt immer besser ist, und sich sofort für ein Smartphone mit Android entscheiden. Leider ist es wie so oft im Leben nicht derart einfach. Denn Apples Strategie hat den Vorteil, dass die technischen Details aller Geräte den für iOS und dessen Updates verantwortlichen Softwareingenieuren genauestens bekannt sind. Sie können somit das Betriebssystem wesentlich feiner und genauer auf die vorhandene Hardware abstimmen. Android dagegen muss auf vielen unterschiedlichen Konfigurationen laufen. Das hat dazu geführt, dass es nicht bloß eine Fülle verschiedener Geräte gibt, sondern auch diverse Versionen von Android kursieren. Erschwerend (für die Nutzer) kommt hinzu, dass die Hersteller gesetzlich nicht verpflichtet sind, regelmäßig und konsequent Updates des Betriebssystems zur Verfügung zu stellen. Das Gerät muss lediglich im Auslieferungszustand einwandfrei funktionieren. Relevanz bekommt dieses selten öffentlich thematisierte Detail insbesondere dann, wenn es um neu entdeckte Sicherheitslücken in Android geht. Selbstverständlich werden diese vom Entwickler Google so schnell wie möglich geschlossen. Doch steht wie gesagt kein Hersteller in der Pflicht, diese Updates für seine Geräte nachzuvollziehen. Und sich das neueste Update einfach direkt von Google zu besorgen geht nicht, weil jeder Hersteller das Betriebssystem innerhalb gewisser Grenzen individuell an seine Smartphones anpassen kann – wovon die meisten mehr oder minder umfangreich Gebrauch machen. Der Nutzer ist also darauf angewiesen, dass die Hersteller ihm wichtige Sicherheitsupdates zur Verfügung stellen.

Allerdings sind es nicht bloß solche Sicherheitsaspekte, die Probleme bereiten können. Ein Smartphone ohne Apps ist nach heutiger Definition kein echtes Smartphone. Faktisch jeder Nutzer erweitert sein Gerät damit. Wird nun das Betriebssystem einem Update unterzogen, müssen Apps unter Umständen angepasst werden, um weiterhin zu funktionieren und/oder sicher zu sein. Apples Strategie eines geschlossenen Systems von Hardware und Software macht es App-Entwicklern recht einfach. Sie wissen genau, welche Version die aktuellste von iOS ist und welche Änderungen an den Apps notwendig sind, um weiterhin stabil zu laufen. Android dagegen läuft wie gesagt in unterschiedlichen Versionen auf unterschiedlichen Geräten. Für Entwickler von Anwendungen bedeutet das große Herausforderungen. Sie können in der Regel ihre Apps nicht so präzise insbesondere an die Hardware der Nutzer anpassen, wie das bei iOS der Fall ist. Aber auch bezüglich der Funktionen des Betriebssystems müssen sie Kompromisse eingehen. Jedenfalls können sie nicht annehmen, dass die Mehrzahl der Nutzer mit der neusten Version arbeitet bzw. das letzte Update nachvollzogen hat. Dadurch ist es für Nutzer von Android keine seltene Erfahrung, dass diverse Apps aus Googles Play Store aufgrund einer zu alten oder zu neuen Version von Android nicht (einwandfrei) laufen. Oder dass nach einem vom Hersteller zur Verfügung gestellten Update bereits installierte Anwendungen plötzlich abstürzen. Das ist die logische Konsequenz der Vielfalt an Modellen.

Smartphone mit defekten Display.
Smartphone mit defekten Display.

Auf der anderen Seite erlaubt die grundsätzliche Offenheit von Android sowohl Entwicklern als auch Nutzern mehr Freiheiten. Erstere können einfacher Apps entwickeln und veröffentlichen. Während Apple jede Anwendung vor der Veröffentlichung im App Store äußerst kritisch prüft und gern auch mal ablehnt, ist es deutlich einfacher, eine solche in Googles Play Store zu platzieren (wenngleich Google inzwischen ebenfalls Prüfungen vornimmt). Dadurch gibt es im Play Store mit seinen über 1,4 Millionen Anwendungen deutlich mehr Vielfalt als in Apples App Store. Die wiederum geht einher mit einem Mehr an sogenannter Schadsoftware und Apps zweifelhafter Qualität. Ein Virenscanner ist damit für Geräte mit Android Pflicht, während iPhones darauf bislang verzichten können. Die weite Verbreitung von Android macht dieses Betriebssystem besonders interessant für Cyberkriminelle. Was die grafischen Anpassungsmöglichkeiten durch den Nutzer betrifft, ist Android eindeutig im Vorteil. Dessen Design ist vielfach individuell veränderbar, während sich bei iOS grundsätzlich nur das Hintergrundbild austauschen lässt und der Rest von Apple fest vorgegeben ist. Fundamentale Individualisten sind diesbezüglich also mit Android besser bedient. Wer dagegen mehr Wert auf die Sicherheit von Apps und regelmäßige (Sicherheits-)Updates legt, wird mit Apples iOS glücklicher.

Das richtige Smartphone-Modell finden

Ist die Wahl für das Betriebssystem gefallen, geht es letztlich an die Auswahl des eigentlichen Smartphones. Apple bietet eine überschaubare Anzahl verschiedener iPhones an, die in der Regel jährlich durch ein neues Modell ergänzt werden, wobei alte Modelle beinahe genauso schnell ausgemustert werden. Wer zwei Produktzyklen zurückliegt, kann davon ausgehen, dass eines der nächsten Updates von iOS ihm Probleme bereiten wird. Hat man sich im Universum von Apple eingerichtet, ist man quasi gezwungen, zumindest alle zwei Jahre ein neues iPhone zu erwerben, um weiterhin alle Apps und die iOS-eigenen Funktionen vollständig nutzen zu können.

Smartphones mit Android können auch drei oder vier Jahre problemlos genutzt werden – vorausgesetzt, es kommt nicht zu Schwierigkeiten mit Updates von Apps oder dem Betriebssystem. Dafür muss man sich bei Android unter Dutzenden Modellen in jeder Preisklasse entscheiden. Bereits das stellt für viele Menschen durchaus eine ernstzunehmende Hürde dar. Hinzu kommt, dass die meisten Hersteller ebenfalls jährlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten neue Smartphones auf den Markt bringen. Technisch auf dem letzten Stand zu sein bzw. zu bleiben, ist dadurch nahezu unmöglich. Mit jedem neuen Modell vergrößert sich die Vielfalt an unterschiedlichen Konfigurationen. Das heißt, es wird noch komplizierter, überhaupt zu entscheiden, welche technischen Details in welchem Umfang und mit welchem Gewicht in die endgültige Kaufentscheidung einfließen sollen. Ein Käufer muss somit vor der Auswahl eine möglichst genaue Nutzungsanalyse im Vorhinein durchführen – was angesichts der Fülle von Anwendungsmöglichkeiten eines modernen Smartphones für viele Nutzer ein geradezu aussichtsloses Unterfangen darstellt. Niemand kann vorab präzise sagen, wie und wofür er (s)ein Smartphone zukünftig verwenden wird. Dafür ist die Entwicklung insbesondere durch die Erweiterungsmöglichkeiten mit Apps zu dynamisch. Ein Kompromiss ist damit unausweichlich und ein exaktes Abwägen aller Argumente aufgrund deren hoher Anzahl nicht möglich. Wer diesen Aufwand nicht scheut oder sogar als Herausforderung empfindet, ist bei Smartphones mit Android besser aufgehoben als bei Apple mit seinem überschaubaren Sortiment unterschiedlicher iPhones.

Letztes Wort

Abschließend lässt sich in überspitzter Form sagen: Wer ein Smartphone sucht, das bezüglich der technischen Merkmale so genau wie machbar an seine individuellen Bedürfnisse angepasst ist und dessen Betriebssystem umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten bezüglich Design und Layout erlaubt, sollte sich unter den Geräten mit Android umschauen. Wer dagegen zu mehr Kompromissen bereit ist und auf die Sicherheit regelmäßiger Updates sowie (besser) geprüfter Apps und außerdem auf ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Software und Hardware größeren Wert legt, ist mit einem iPhone gut beraten. Das beste Smartphone per se gibt es also nicht. Der Käufer darf sich über große Vielfalt freuen und zugleich erschrecken. So muss jeder für sich entscheiden und abwägen, welche der grundlegenden Faktoren aus diesem Text für ihn welches Gewicht haben. Leicht ist das nicht, aber in jedem Fall lohnenswert.