Logo von smartphoneverweigerer.de

Das 4k-Smartphone oder Ultra-HD-Smartphone

Als Apple im Jahre 2007 das erste iPhone vorstellte und damit eine bis heute andauernde Lawine an Smartphones lostrat, war es nicht allein die vielfältige Funktionalität, die Erstaunen und Verzücken auslöste. Mindestens genauso viel Aufmerksamkeit wurde dem für damalige Verhältnisse tatsächlich magisch erscheinenden Display zuteil. Mobiltelefone mit Farbdisplays waren zu jenem Zeitpunkt zwar bereits Standard, doch konnten sie weder in der Größe noch in Sachen Auflösung und Darstellung mit dem iPhone mithalten.

Samsung S7
Samsung S7

Vergegenwärtigt man sich zusätzlich Geräte aus den 1990ern wie den Communicator von Nokia oder den Simon Personal Communicator von IBM und BellSouth, die heute als die ersten Smartphones angesehen werden, wird schnell klar, warum das iPhone eine solch gewaltige Wende in der Geschichte der modernen Kommunikationstechnologie einläutete.

Die dominante Sinneswahrnehmung des Menschen ist die visuelle. Kein Mobiltelefon – egal wie viele Funktionen es haben mag – kann auf dem Markt bestehen, wenn die Interaktion mit den Anwendungen durch ein zu kleines, zu unscharfes, zu farbloses oder anderweitig ungenügendes Display erschwert wird.

Das iPhone wäre trotz App Store niemals ein derart großer Erfolg geworden, hätte Apple das User Interface nicht als gerätefüllendes Display mit Touchscreen gestaltet. Welch große Bedeutung das Display eines Smartphones für dessen Erfolg hat, zeigt sich seit der Aufholjagd von anderen Elektronikherstellern wie LG, Samsung oder HTC insbesondere darin, dass die Hersteller in jeder neuen Generation von Smartphones eine höhere Auflösung des Displays zu erreichen versuchen und dies – bei Erfolg – in der Werbung offensiv als Entscheidungskriterium herausstellen. Diese große Bedeutung des Displays für ein Smartphone ergibt vollkommen Sinn, schließlich soll es unter anderem Fotos anzeigen, Videos abspielen, Websites darstellen – kurz gesagt, eine Vielfalt visueller Medien so präsentieren, dass sie dem Nutzer ein angenehmes Erlebnis bieten. Ein zu pixeliges Display würde genau dieses Erlebnis trüben und zudem insbesondere beim Lesen von Texten schnell zur Ermüdung der Augen führen. Es ist daher kaum verwunderlich, dass die Hersteller der beständigen Verbesserung des Displays eine derartige Bedeutung beimessen. In nur acht Jahren sind sie dabei unvorstellbar stärker weitergekommen als in der gesamten Zeit von den Anfängen des Smartphones bis zum ersten iPhone – immerhin 13 Jahre.

Hatte das erste iPhone noch bei einer Bildschirmgröße von 3,5 Zoll eine Auflösung von 480 × 320 Pixel, bieten Geräte wie das iPhone 6 Plus, Sony Xperia Z, LG Optimus G Pro oder Samsung Galaxy S4 heute 5 Zoll und mehr sowie Full HD mit 1.920 × 1.080 Pixel. Allerdings ist selbst hier längst nicht Schluss. Das LG G3 und das Samsung Galaxy Note 4 bieten beispielsweise bereits 2K-Displays mit 1.440 × 2.560 Pixel. Gerüchten zufolge arbeitet LG an einem Nachfolger des G3 mit der Bezeichnung G4, welches einen 3K-Bildschirm mit 5,3 Zoll Diagonale und 2.880 × 1.620 Pixel bieten soll.

Manchen Herstellern reicht selbst das noch nicht, und im Wettrüsten um immer schärfere Displays zielen sie bereits auf 4K.

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen.

Huawei beispielsweise will in absehbarer Zeit keine 4K-Smartphones produzieren, weil das menschliche Auge ohnehin keinen Unterschied zwischen 2K und 4K erkennen könne, ein Display mit Ultra HD (wie 4K auch genannt wird) jedoch den Stromverbrauch eines Smartphones drastisch erhöhen würde.

Es bleibt also abzuwarten, welche Bildschirmgröße und Auflösung sich als die Grenze der Sinnhaftigkeit für Smartphones erweist.

Ultra HD oder 4K ist indes nicht bloß für die Displays von Smartphones ein Thema. Unter Fernsehern und Monitoren gibt es inzwischen diverse Modelle mit einer solchen Auflösung. Woran es bislang noch mangelt, um diese vollumfänglich genießen zu können, das sind entsprechende Inhalte. Filme in 4K sind noch rar, TV-Programme sowieso. Was also könnte einen Monitor oder Fernseher mit Ultra HD rechtfertigen bzw. wie entsteht möglichst schnell möglichst viel interessanter Content für 4K? Die Antwort ist im Zeitalter des User-generated Content simpel: Die Nutzer von YouTube und Co. erstellen selbst die entsprechenden Inhalte. Damit sie das können, benötigen sie Kameras mit Ultra HD. Alleskönner Smartphone ist auch hier die Lösung. Während um Displays mit 4K noch gestritten und gerungen wird, sind Kameras mit Ultra HD in diversen Smartphones längst Wirklichkeit. Den Anfang machte das Acer Liquid S2, welches im Herbst 2013 auf der IFA in Berlin vorgestellt wurde. Die hochauflösenden Videos dürfen bei diesem Modell allerdings maximal fünf Minuten lang sein. Der Konkurrent von Samsung – das Galaxy Note 3 – bietet dagegen mit drei Gigabyte Arbeitsspeicher schon Platz für längere Videos in Ultra HD. Ohne zeitliche Begrenzung kann zumindest in der Theorie das Xperia Z2 von Sony ultrahochauflösende Videos aufnehmen. Allerdings scheint dieses Gerät nach etwa sechs Minuten aufgrund von Überhitzung abzustürzen. Die Videolänge beim LG G3 ist wiederum auf fünf Minuten begrenzt. Dafür bietet dieses Modell wie bereits weiter oben erwähnt ein Display mit 2K, auf dem man die selbstgedrehten Videos zumindest schon mal in halber Pracht bewundern kann. Eine Besonderheit des Galaxy S5 von Samsung ist, dass es staub- und wassergeschützt ist. Damit lassen sich also auch unter Wasser ultrahochauflösende Videoaufnahmen machen (die allerdings leider wieder auf fünf Minuten beschränkt sind).

Zusammenfassend lässt sich zweifellos sagen, dass die Entwicklung im Bereich 4K für Smartphones höchst spannend bleibt. Der Trend geht definitiv zu immer besseren Kameras wie auch Displays. Die technischen Grenzen sind längst noch nicht erreicht. Weil mehr Leistung üblicherweise mit höherem Energieverbrauch einhergeht, bleibt abzuwarten, wie und wo die Hersteller Kompromisse zwischen Akkuleistung, Akkugröße und ultrahochauflösenden Kameras sowie Displays finden. Eventuell ist wie von Huawei propagiert bereits bei 2K für Displays Schluss oder die von LG anvisierten 3K stellen die maximal sinnvolle Obergrenze dar. Vielleicht knackt auch einer der großen Hersteller 4K im Display auf eine bisher nicht antizipierte Weise. In die Karten schauen lässt sich ohnehin keiner. Darum kann nichts definitiv ausgeschlossen werden. Die nächsten Jahre werden für Freunde hochauflösender Computergrafik im Mobiltelefon definitiv aufregend. Wer so lange nicht warten will, kann schon mal mit einem der vorgestellten Modelle etwas Zukunftsluft schnuppern.